Kurz nachdem die Zentrale von UNHCR in Genf 1951 die Arbeit aufgenommen hat, ist auch in Österreich ein Außenbüro aufgebaut worden. Damit ist UNHCR von allen UN-Organisationen am längsten in Österreich vertreten.
Unsere Hauptaufgabe war in dieser Zeit organisatorisch, aber auch finanziell bei der Bewältigung der Flüchtlingsnot nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen den Blöcken war Österreich jahrzehntelang das wichtigste Land für die Erstaufnahme von Flüchtlingen und Auswanderern in Europa. Seit 1945 sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen, fast 700.000 Menschen sind geblieben.
1956/57 kamen rund 180.000 Menschen aus Ungarn nach Österreich. UNHCR konnte 84.000 Ungarn-Flüchtlinge dem Nachkriegs-Österreich abnehmen und binnen acht Wochen in Neuansiedlungsländer bringen. Die USA und Kanada nahmen den Großteil der Flüchtlinge auf. Gerade 18.000 UngarInnen blieben in der Alpenrepublik.
Nach Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei flüchteten 1968 162.000 TschechInnen und SlowakInnen nach Österreich. Die meisten konnten in ihre Heimat zurückkehren, rund 12.000 Menschen ließen sich hier nieder.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall Jugoslawiens trieben viele Menschen in die Flucht. Um den Jahreswechsel 1991/92 kamen rund 13.000 Menschen aus Kroatien, wurden hier versorgt und kehrten im Frühjahr 1992 größtenteils in ihr Heimatland zurück. Zu diesem Zeitpunkt trafen schon die ersten Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina ein. Österreich hat rund 90.000 Flüchtlinge aufgenommen. Nach 1995 kehrten viele nach Hause zurück, knapp 60.000 BosnierInnen fanden in Österreich eine zweite Heimat.
Als im Frühjahr 1999 die Vertreibung der Kosovo-AlbanerInnen eskalierte, nahm Österreich, wie andere Staaten, Flüchtlinge auf - mehr als 5000 Menschen. Gleich nach dem Ende der Kämpfe im Sommer 1999 begann eine erste Rückkehrbewegung.
In den letzten Jahren verzeichnete Österreich keine großen Flüchtlingsströme. Nachdem sich die ehemalige autonome Teilrepublik Tschetschenien 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für unabhängig erklärte, kam es 1994 und in Folge des Überfalls tschetschenischer Rebellen auf das Nachbarland Dagestan 2009 zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland. Rund 160.000 Menschen haben dabei ihr Leben verloren, viele mussten fliehen. Die Menschenrechtslage in Tschetschenien sorgt auch heute immer wieder für Kritik, die Anerkennungszahlen in Asylverfahren sinken jedoch beständig.
Von den Kriegen in Afghanistan und Irak, sowie den Krisenherden Somalia und Sudan hat Österreich 2010 eine vergleichsweise geringe Zahl an Flüchtlingen erreicht. 495 afghanische, 138 somalische, 63 irakische und 19 sudanesische Flüchtlinge haben 2010 in Österreich Asyl erhalten (Stand November 2010).
2011 haben ingesamt 3.466 Menschen in Österreich Asyl erhalten; die meisten stammen aus Russland (1.016), Afghanistan (822), Syrien (360), dem Iran (275) und Somalia (261).