
© UNHCR/E. Frennmark
Neue Hoffnung für die sudanesische Familie von Abumajid.
Shousha/Ras Adjir – An diesem frühen Wintermorgen weht Abumajid, seiner Frau und ihren acht Kindern der Wind gehörig ins Gesicht. Doch ihrer Stimmung tut das keinen Abbruch: Die sudanesische Familie hat soeben erfahren, dass sie das Shousha-Camp im libysch-tunesischen Grenzgebiet verlassen kann und in Norwegen neuangesiedelt wird. Der Flugtickets sind bereits gebucht.
Es heißt, die Krise in Libyen ist offiziell beendet, doch für 3.400 Menschen aus den Subsahara-Staaten, die seit den Umwälzungen im libysch-tunesischen Grenzgebiet festsitzen, ist eine Rückkehr in das Heimatland oder nach Libyen nicht mehr möglich. Zu sehr sind die Anfeindungen und Übergriffe gegen Fremde verbreitet, zu groß die Sicherheitsrisiken für Leib und Leben.
Weiter Aufnahmeplätze für 3.000 Menschen nötig
UNHCR sucht für die Betroffenen im Lager händeringend Aufnahmeplätze in Drittstaaten. Bis zum Ende des Jahres 2011 konnten bereits 2.950 Menschen aus dem Shousha-Camp auf elf Länder verteilt werden; viele nach Norwegen und in die USA, die sich seit jeher regelmäßig an dem UNHCR-Resettlement-Programm beteiligen.
Für Abumajid und seine Familie ist die harte Zeit in Shousha nun bald vergangen und lediglich nur noch ein Mosaik eines strapaziösen Flüchtlingslebens, das in Darfur begann. Der Blick geht nach vorn: „Ich bin Sportler und hoffe, dass ich einen guten Klub finde“, so Abumajid’s 16-jähriger Sohn mit einem breiten Grinsen.
Seine Schwestern haben eine höhere Schulbildung im Visier und möchten gerne in Vaters Fußstapfen treten. Abumajid hat die Universität besucht und hält einen Abschluss in Agrarwissenschaften und Recht.
Keine Perspektive für Verbliebene in Shousha
Für die Verbliebenen bietet Shousha-Camp keine Perspektive. Die Nächte sind bitterkalt und es fehlen weitere Decken, Winterkleidung und Heizlüfter. „Hier gibt es nur das Nötigste“, bedauert auch UNHCR Camp-Managerin Dinesh Thalpawila. Es fehlen Schulen für die Kinder und alle Bewohner sind auf die Hilfe von außen angewiesen.
Ein Jahr nach dem Ausbruch der Libyen-Krise
Im Februar 2011 haben mehr als eine Million Menschen wegen der Libyen-Krise die Grenzanlagen nach Tunesien passiert. Mittlerweile konnten die meisten von ihnen wieder nach Hause zurückkehren. Heute leben noch 3.400 Menschen aus 22 Nationen im Shousha-Camp und warten auf dauerhafte Lösungen. Die größte Zahl der Betroffenen kommt aus Somalia.
Das Shousha-Camp wurde vor gut einem Jahr von der tunesischen Regierung nahe der Grenzstadt Ras Adjir errichtet. Die Aufgabe von UNHCR ist, den Bewohnern Schutz zu geben und humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Gemeinsam mit der tunesischen Regierung und der internationalen Staatengemeinschaft sollen die Menschen allesamt in Drittstaaten neuangesiedelt werden.
Text und Bild: Emelia Frennmark, UNHCR
Deutsche Übersetzung: Rouven Brunnert, UNHCR
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