Buenos Aires - Es war in einer kalten Nacht in Buenos Aires, als sich Sanés Leben vollkommen änderte. Nach mehr als einem Jahrzehnt konnten er und seine Frau endlich wieder ihre zwei ältesten Kinder in die Arme schließen.
Der 43-jährige Flüchtling Sané aus Senegal lernte an diesem Tag seine Kinder, die 15-jährige Demba und den 12-jährigen Adama, neu kennen. Beide sind die meiste Zeit ihres Lebens ohne Vater und Mutter aufgewachsen. Nachdem die Familie vor vielen Jahren vertrieben und auseinandergerissen wurde, haben sie nun endlich die Gelegenheit, in einem neuen Land, ein neues Leben und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.
Demba und Adama können sich kaum mehr an ihre Eltern erinnern. Doch heute bekommen die beiden nicht nur ihre Eltern zurück, sondern lernen auch ihre drei neuen Geschwister kennen: Isa, Alí und Marlene.
Alí und Marlene sind in Senegal geboren. Ihre Heimatregion Casamance ist seit 1990 Schauplatz separatistischer Konflikte, weshalb Sané aus Angst um sein Leben von Stadt zu Stadt zog und schließlich, im Jahr 1998, nach Argentinien floh.
Sané war gezwungen seine Frau Marie und seine beiden Kinder Demba und Adama zurückzulassen. "Es war unmöglich, alle mitzunehmen. Es war schrecklich, aber ich hatte keine andere Wahl.", erinnert sich Sané heute. Im Jahr 2001 hatte er genügend Geld für einen Flug gespart, um seine Frau nachzuholen. Für die beiden Kinder reichte es jedoch nicht, weshalb sie mit ihrer Großmutter zurückblieben.
Das Paar erhielt Flüchtlingsstatus in Argentinien und begann ein neues Leben. Es war nicht leicht; sie mussten eine neue Sprache erlernen und sahen sich mit einer fremden Kultur konfrontiert. Marie wurde bald darauf mit Isa schwanger und es wurde immer schwieriger über die Runden zu kommen.
Sané wollte endlich auch Demba und Adama nachholen, sobald er sich sicher sein konnte, ihnen ein gutes Leben in einem Haus bieten zu können, das groß genug für alle war. Als er eine Arbeitsstelle bei einem Papierunternehmen fand, wandte er sich mit der Bitte seine Familie wieder zu vereinen an UNHCR.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden, darunter auch das Auswärtige Amt von Argentinien, das National Migrations Directorate und die National Commission for Refugees, sowie das internationale Rote Kreuz und IOM (International Organization for Migration), hat UNHCR der Familie in ihrem Bestreben, endlich wieder vereint zu sein, geholfen und die Kinder dabei unterstützt, ihren Eltern nach Argentinien zu folgen.
Sané und seine Frau Marie erwarteten die Kinder am Flughafen von Buenos Aires. Die Emotionen, die sich in den vergangenen zehn Jahren angestaut hatten, konnten nicht länger zurückgehalten werden, als die beiden erschöpft und mit ihrem Handgepäck unter dem Arm in der sterilen Umgebung des geschäftigen Flughafens auf ihre Eltern trafen. "Unser Traum ist wahr geworden. Ich kann mein Glück nicht beschreiben.", kommentierte Sané das Wiedersehen.
In ihrem neuen Zuhause in Quilmes, 20 Kilometer außerhalb von Buenos Aires, erwartete Demba und Adama yassa au poisson, ein typisches Reisgericht mit Fisch und der Start in eine neue, gemeinsame Zukunft.
Von Ana Lía Conde und Virginia Pico in Buenos Aires, Argentinien
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