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Mittelmeer: Mehr als 1.500 Tote und Vermisste in 2011

01 Feber 2012

© UNHCR/F. Noy
Boatpeople nach ihrer Rettung vor Lampedusa, Italien.

Genf - Nach UNHCR-Schätzungen sind im Jahr 2011 mehr als 1.500 Menschen bei dem Versuch Europa über das Mittelmeer zu erreichen ertrunken oder gelten seither als vermisst. Diese traurige Zahl übertrifft das bisherige Höchstmaß aus dem Jahr 2007 um mehr als das Doppelte.

Im Jahr 2007 wurden 630 Menschen tot aus dem Mittelmeer geborgen oder sind seitdem vermisst. UNHCR führt die Statistik bereits seit 2006. Die UNHCR-Büros in Griechenland, Italien, Libyen und Malta warnen, dass die tatsächliche Zahl der Toten und Vermissten wohl noch sehr viel höher sei, da die ausgewiesene Zahl von 1.500 nur auf Interviews, Telefonate und E-Mail-Verkehr mit Überlebenden oder Hinterbliebenen zurückzuführen sei.

Dunkelziffer weit höher befürchtet

Ebenfalls einen Rekord markiert die Zahl der erfolgten Ankünfte jener verzweifelten Menschen, die Europa über das Mittelmeer im Jahr 2011 erreichen konnten: Mit insgesamt 58.000 ‚Boatpeople‘, die das Festland von Griechenland, Italien oder Malta erreichen konnten, ist das vergangene Jahr ebenfalls top.

Bislang waren in 2008 (54.000) die meisten Ankünfte in Europa über das Mittelmeer gezählt worden. Zwischen 2009 und 2010 führten verschärfte Grenzkontrollen zu einem starken Rückgang dieser Zahlen. Die hohen Zahlen für 2011 sind auch auf die politischen Umbrüche in Libyen und Tunesien zurückzuführen.

Schlimme Berichte Überlebender

Jene illegalen Migranten, Asylsuchenden und Flüchtlinge, die die gefährliche Überfahrt überlebt haben, berichten UNHCR von regelrechten Horror-Szenarien, die sich an Bord der zumeist seeuntauglichen Boot oder an Land abgespielt haben sollen: So sollen die 'Boatpeople' besonders in der Zeit zwischen April und Mai in Libyen unter Waffengewalt an Bord der maroden Boote gedrängt und später geschlagen und gequält worden sein.

Die italienischen Behörden sind mit der Untersuchung zahlreicher Fälle betraut.

97 Prozent aller Ankünfte in Italien

Mit 56.000 Ankünften ist die überwiegende Mehrheit aller über das Mittelmeer nach Europa eingereisten 'Boatpeople' in Italien angekommen, davon 28.000 Tunesier. Malta und Griechenland registrieren 1.574 beziehungsweise 1.030 Ankünfte an ihren Küsten, davon die meisten im ersten Halbjahr. Die meisten ‚Boatpeople‘ sind Migranten und keine Asylsuchenden. Lediglich drei Bootsankünfte sind nach Mitte August bis zum Jahresende gezählt worden.

Nach Angaben der griechischen Behörden sind zusätzlich 55.000 illegale Migranten bei Evros über die griechisch-türkische Grenze gelangt.

Weitere Boote im Jänner 2012

UNHCR ist darüber bestürzt, dass seit Anfang 2012 trotz der rauen See und schlechter Wetterbedingungen drei Boote die gefährliche Überfahrt von Lybien gewagt haben. Ein Boot mit mindestens 55 Menschen an Bord wird seit dem 14. Jänner vermisst.

Die lybische Küstenwache informierte UNHCR darüber, dass 15 Leichen letzte Woche am Strand gefunden wurden. Es handele sich dabei um Somalier: zwölf Frauen, zwei Männer und einem Säugling. Letzten Sonntag wurden drei weitere Leichen entdeckt. Später wurde bestätigt, dass alle Toten aus Somalia stammten, die zuvor in provisorischen Unterkünften in Tripolis (dem sogenannten Railway-Project) ausgeharrt hatten.

Die anderen beiden Boote, die es im Jänner bis Italien und Malta schafften, mussten aus Seenot gerettet werden. Die italienische Küstenwache übernahm 72 Somalier am 13. Jänner 2012, darunter eine schwangere Frau und 29 Kinder. Das zweite Boot mit insgesamt 68 Personen an Bord wurde von der maltesischen Marine am 15. Jänner mit Unterstüzung der US-Marine und eines zivilen Handelsschiffes 56 Meilen vor der maltesischen Küste gerettet. Ein Kind wurde auf einem der Rettungsschiffe geboren. Eine andere Frau berichtete von einer Fehlgeburt wärend der Überfahrt.

UNHCR-Appell an Schiffsführer im Mittelmeer

UNHCR begrüßt die anhaltenen Anstrengungen der italienischen, maltesischen und lybischen Behörden auf dem Mittelmeer, um Menschen aus Seenot zu retten. Gleichzeitig bekräftigt UNHCR seinen Appell an alle Schiffsführer im Mittelmeer, weiterhin in einem der befahrendsten Gewässer der Welt ihrer Pflicht nachzukommen, Menschen aus Seenot zu retten.

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