
© UNHCR/S. Malkawi
Syrische Flüchtlingskinder im Libanon
Genf - Die Zahl der registrierten syrischen Flüchtlinge beläuft sich nach UNHCR-Berechnungen auf 278.392. Neben der Grundversorgung und der Suche nach Unterkünften versucht UNHCR gemeinsam mit UNICEF und den örtlichen Behörden Kinder in die Schulen zu bekommen.
Im Libanon arbeiten UNHCR und seine Partner weiterhin an einem ‚Zurück in die Schule‘-Programm für Flüchtlingskinder. Das Programm zielt darauf ab, 15.000 syrische Kinder zur Einschreibung an öffentlichen Schulen zu bewegen. In weniger als zwei Wochen haben sich so bereits 1.608 Kinder an Schulen im Nord- und Ostlibanon eingeschrieben, mehr als zwei mal so viele wie im gesamten letzten Jahr.
Zudem will es das Bildungsministerium bald allen syrischen Kindern ermöglichen, sich an libanesischen Schulen einschreiben zu können. Durch diese Maßnahme wird die Zahl der eingeschriebenen Kinder in diesem Jahr noch weiter ansteigen. Förderkurse sowie Programme für schnelleres Lernen werden sowohl für syrische als auch für libanesische Schüler etabliert und Transportmöglichkeiten eingerichtet.
Libanon: Suche nach Notunterkünften - Große Gastfreundschaft
Große Fortschritte wurden in der vergangenen Woche auch bei der Umsiedlung von Flüchtlingsfamilien, die bisher in Schulen untergebracht waren, gemacht. 106 der 170 Familien, die in wiedereröffneten Schulen untergekommen waren, haben bereits eine neue Unterkunft gefunden. Unter Hochdruck wird auch nach Lösungen für die verbliebenen Familien gesucht.
Die meisten sind mittlerweile in bezuschusste Mietunterkünfte gezogen, einige haben in weiterhin unbenutzen Schulen in Beeka eine neue Unterkunft gefunden. Wieder andere wurden großzügigerweise von libanesischen Familien aufgenommen.
Außerdem arbeitet UNHCR weiterhin daran, gemeinsam mit den Behörden mehr Notunterkünfte zu schaffen bevor der harte libanesische Winter beginnt.
Mittlerweile sind über 72.913 syrische Flüchtlinge im Libanon registriert worden, weitere 20.503 warten auf Registrierung. Das sind zwei Mal mehr registrierte Flüchtlinge im Libanon als im Vergleich zu Anfang August 2012.
Irak plant drittes Camp mit UNHCR
Syrische Flüchtlinge können den Irak über den Al Quaem Grenzübergang erreichen, der vergangenen Dienstag wiedereröffnet wurde. Mit Unterstützung der Behörden können weitere Neuankömmlinge in Al Quaem Zuflucht finden. Ein drittes Camp in der Gegend ist bereits geplant.
Auch die Registrierung von Kindern für das neue Schuljahr geht voran. Ein Flüchtlingskommittee führte im Domiz Camp in der Nähe von Dohuk im Nordirak Hausbesuche durch, um die Familien über den Registrierungsprozess zu informieren. Im Al Quaem Camp werden die Kinder währenddessen in sieben UNHCR-Zelten unterrichtet.
In der vergangenen Woche kamen 3.933 syrische Flüchtlinge in den Irak. Damit steigt die Zahl der syrischen Flüchtlinge auf 29.441; 24.699 davon sind in Kurdistan untergekommen.
In Syrien werden Decken und warme Kleidung knapp
In Syrien besuchen UNHCR-Teams weiterhin vertriebene Syrer und Flüchtlinge, die in kommunalen und privaten Unterkünften in Damaskus und Umgebung untergekommen sind.
Trotz der unsicheren Lage in der Region wird weiterhin so viel Hilfe wie möglich für die Menschen angeboten. Seit März 2012 konnte UNHCR mit Unterstützung des Syrisch-Arabischen Roten Kreuzes mehr als 173.000 Menschen mit Hilfsgütern versorgen.
So wurden am Mittwoch über 2.000 Decken nach al Hassakeh in Nordostsyrien geliefert. In dieser Region sind die Nächte besonders kalt, Decken und warme Kleidung werden dort dringend gebraucht. Auch Nahrungsmittel und Matratzen sind in den meisten Camps weiterhin Mangelware.
In Al Nabek zwischen Damaskus und Homs konnte UNHCR bereits 2.200 notleidende syrische Familien mit Bargeld unterstützen. Insgesamt wurden auf diesem Weg 350.000 US-Dollar verteilt.
Weiterhin kommen Tausende zu den UNHCR-Büros. Vergangene Woche waren es 14.000 in Damaskus; 3.000 Anrufe sind über die telefonische Hotline eingegangen. Viele kommen zu den Lebensmittelausgaben oder um materielle Unterstützung zu erbitten, nicht zuletzt psychologischen Beistand, der in vielen Fällen dringend benötigt wird; drei Selbstmord-Versuche konnten vereitelt werden.
Türkei siedelt Flüchtlinge in eines der zwölf Camps um
Die Türkische Regierung hält die Grenzen auch für Neuankömmlinge geöffnet. Alle Flüchtlinge, die bislang in öffentlichen Gebäuden untergebracht waren, wurden in entsprechende Camps gebracht; dennoch sind weiter etwa 27.000 Syrer in Schulen beherbergt. In der letzten Woche sind 2.000 Syrer aus den Camps in Sanliurfa freiwillig nach Syrien zurückgekehrt.
Nach Regierungsangaben sind nun auch zwei weitere Camps in Kahramanmaras und Osmaniye bezugsfertig; vier weitere in Vorbereitung. In insgesamt derzeit zwölf Lagern sind 83.260 Flüchtlinge untergebracht; die Türkei will die Kapazität auf insgesamt 130.000 ausweiten.
Im Grenzgebiet zwischen Kilis und Hatay in Syrien warten weiter rund 10.000 Syrer auf Lösungen. Sie erhalten Essen, Wasser und medizinische Unterstützung. UNHCR bringt die Betroffenen in kleinen Gruppen in die Camps, sobald Kapazitäten verfügbar sind.
Jordanien: Kinder in die Schulen und zur Impfung
Weiterhin kommen tausende Neuankömmlinge in Jordanien an. Letzte Woche waren es 4.000, die aus dem benachbarten Daraa Distrikt über die Grenze kamen. UNHCR hat bereits 92.778 Syrer in Jordanien registriert.
Diese Woche gilt das Hauptaugenmerk den vielen Kindern, die in den Schulen angemeldet worden sind. UNICEF schätzt, dass etwa 2.000 Schüler am 26. September im Za’atri Camp ‚eingeschult‘ werden. Schätzungsweise sind 27.000 Kinder, also etwa jeder zweite Camp-Bewohner, im schulpflichtigen Alter.
Unter der Leitung von UNICEF erhalten die Kinder Impfungen gegen Masern, Polio und bekommen zusätzlich Vitamin-A-Spritzen. 4.500 Kinder haben eine Schutzimpfung gegen Masern bekommen.
UNHCR unterstützt die außerhalb des Lagers lebenden Flüchtlinge auch hier mit monatlichen Bargeld-Zuwendungen. Allein im letzten Monat ist die Zahl der Empfänger um 400 Familien auf insgesamt 1.858 angewachsen. Mehr als 3.000 irakische Flüchtlingsfamilien profitieren ebenfalls von dem Programm.
Mit Stand vom 19. September 2012 sind derzeit 278.392 syrische Flüchtlinge registriert. 92.778 in Jordanien (davon 40.426 vorgemerkt), 72.913 im Libanon (20.503 vorgemerkt), 29.441 im Irak (inklusive 24.669 Syrer in der Kurdistan Region), 83.260 in der Türkei (in Camps lebend, Regierungsangaben).
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