Dadaab/Kenia - Der größte Flüchtlingskomplex der Welt, Dadaab im Nordosten Kenias, existiert nun bereits seit 1992. 20 Jahre nach der Errichtung des Flüchtlingscamps beherbergt Dadaab mehr als 463.000 Flüchtlinge. Mittlerweilen lebt schon die dritte Generation im Lager.
Dieses Jahr ist der 20. Jahrestag des weltweit größten Flüchtlingslagers Dadaab, im Nordosten Kenias. UNHCR, welches den Flüchtlingskomplex verwaltet, hat die ersten Zeltlager 1992 errichtet. Vorangegangen war ein Bürgerkrieg in Somalia, der im Jahr 1991 den Fall von Mogadischu und den Sturz der Zentralregierung herbeigeführt hatte. Ursprünglich was das Dadaab-Lager auf 90.000 Menschen ausgelegt. Doch momentan leben mehr als 463.000 Flüchtlinge, darunter bereits rund 10.000 junge Menschen, die im Flüchtlingslager geboren wurden, in Dadaab.
Aufgrund der Hungerkatastrophe in Somalia letztes Jahr haben mehr als 1.000 Menschen täglich Zuflucht in dem Flüchtlingscamp gesucht; etwa 30.000 Neuankünfte kamen im Juni, 40.000 im Juli und 38.000 im August. Dies hat die bereits ausgeschöpften Kapazitäten des Flüchtlingscamps massiv belastet. Gemeinsam mit den lokalen Behörden und anderen humanitären Organisationen hat UNHCR aufgrund der zahlreichen Neuankünfte Aufnahmezentren und Erstversorgungsmaßnahmen eingerichtet.
Permanente Überlastung des Camps
Dass in Dadaab schon so lange und so viele Flüchtlinge beherbergt werden können, ist insbesondere der Regierung und der Bevölkerung Kenias zu verdanken. UNHCR hat zusammen mit der Regierung und anderen Hilfsorganisationen oft unter schwierigsten Umständen humanitäre Hilfe bereitgestellt.
Zu den größten Herausforderungen des Flüchtlingscamps gehören die permanente Überbelegung, Krankheitsrisiken und saisonale Überschwemmungen.
UNHCR eneuert Hilfe-Appell für Dadaab
Anlässlich des 20. Jahrestages der Dadaab-Flüchtlingscamps erneuert UNHCR seinen Appell an die internationale Gemeinschaft, weiterhin Unterstützung für die rund eine Million somalische Flüchtlingen sowie die kenianische Regierung und die anderen Länder, die somalische Flüchtlinge aufnehmen, zu gewähren.
Die 20 vergangenen Jahre zeigen auch die Notwendigkeit, das ostafrikanische Land langfristig zu stabilisieren und Flüchtlingen eine Perspektive zur Heimkehr zu eröffnen. UNHCR hofft, dass diese Woche auf der London-Somalia-Konferenz, dauerhafte Lösungen für die Krise in Somalia gefunden werden.
Derzeit ist die Situation in Dadaab äußerst angespannt. Zwei Flüchtlinge, die im Camp mitgearbeitet hatten, und mehrere kenianische Polizisten wurden getötet, drei Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden entführt. Die unsichere Lage schränkt die Möglichkeiten der Helfer vor Ort stark ein. Lebensrettende Hilfsmaßnahmen wie die Bereitstellung von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung werden aber trotz der erhöhten Sicherheitseinschränkungen ohne Unterbrechung weitergeführt.
Flüchtlinge in Camp-Abläufe miteinbinden
Um die Situation im Camp zu verbessern, werden die Flüchtlinge vermehrt in den Lager-Ablauf miteinbezogen. Die meisten Schulklassen werden mittlerweile von im Camp lebenden Lehrern unterrichtet. Junge Flüchtlinge werden aktiv in die Aufklärung und Informationsvermittlung für Neuankömmlinge miteingebunden, es wurden Flüchtlingskomitees gegründet, um die Wasserversorgung der einzelnen Haushalte zu gewährleisten und im Lager wird auch eine eigene Zeitung herausgegeben. Frauengruppen widmen sich der Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten für Mütter.
UNHCR-Teams übernehmen den Schutz von Flüchtlingen und arbeiten bei den Community-Services mit, die beispielsweise regelmäßiges Monitoring sowie die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten umfassen. Für Lehrer aus der Flüchtlingsbevölkerung werden Schulungen abgehalten, ebenso wurden die Projekte für Jugendliche, Frauen und Menschen mit Behinderunge wieder aufgenommen.
UNHCR zwischen Registrierung, Umsiedlung, Versorgung
An einem durchschnittlichen Arbeitstag erhalten rund 1.800 Flüchtlinge eine ambulante Behandlung in den Krankenhäusern und Gesundheitsstationen in den Lagern. In letzter Zeit sind einige Maserfälle gemeldet worden, daher werden nun alle Neuankömmlinge über 30 Jahre gegen die ansteckende Krankheit geimpft.
Zu Beginn dieses Monats hat UNHCR die Umsiedlung von 2.000 Flüchtlingen aus dem unsicheren Randgebieten Dagahaley nach Ifo 2-Camp organisiert. Nach der Umsiedlung ist nun auch die Kapazitätsgrenze des Ifo 2-Camps mit 80.000 Menschen erreicht.
Mehr als 968.000 Somalier sind bisher in Nachbarländer geflüchtet. Die meisten davon nach Kenia (520.000), Jemen (203.000) und nach Äthiopien (186.000). Der Großteil der somalischen Flüchtlinge ist letztes Jahr geflohen. Weitere 1,3 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene in Somalia.
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