Genf – Der UN Flüchtlingshochkommissar António Guterres warnte den UN-Sicherheitsrat vor der steigenden Gefahr für den internationalen Frieden und die Sicherheit durch den Klimawandel und die damit zusammenhängenden massiven Abwanderungen.
In New York wies Guterres vor dem Sicherheitsrat darauf hin, dass der Klimawandel sowohl das Ausmaß als auch die Komplexität globaler Vertreibung beeinflusse. Er warnte davor, den Klimawandel isoliert von anderen globalen Megatrends zu sehen. Dazu zählten Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und die wachsende Versorgungsunsicherheit für Lebensmittel, Wasser und Energie.
"Es bringt nichts, vereinfachten Fragen nachzugehen, wie etwa: 'Wie viele Menschen werden durch den Klimawandel vertrieben?' ", sagte Guterres. "Stattdessen sollten wir uns den komplexen Fragen stellen, inwieweit die globale Erwärmung, der steigende Meeresspiegel, sich verändernde Wetterbedingungen und andere Auswirkungen des Klimawandels die globalen Ungleichgewichte beeinflussen und verstärken und damit Instabilität, Konflikte und Vertreibung vergrößern."
Guterres führte an, dass die schwindenden landwirtschaftlichen Möglichkeiten in Entwicklungsländern und die Konkurrenz um knappe Ressourcen wie Wasser und Land mögliche Gründe für Konflikte und Vertreibungen seien. Er sprach über die Risiken der Staatenlosigkeit, wenn die Einwohner kleiner Inselstaaten durch den steigenden Meeresspiegel ihre Heimat verlassen müssten. Es gäbe immer mehr Hinweise, die auf einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Überflutungen und Naturkatastrophen schließen lassen – in deren Folge allein im Jahr 2010 über 40 Millionen Menschen zu Vertriebenen geworden seien.
"Der Klimawandel und seine Auswirkungen verstärken die globalen Ungleichgewichte und sind eine große Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit," so Guterres. "In einer immer kleiner werdenden Welt, die zum ersten Mal vor physischen Grenzen für ihr wirtschaftliches Wachstum steht, kann diese Bedrohung nur wachsen."
Guterres appellierte an die Mitglieder des Sicherheitsrates, Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Konflikte und Vertreibungen zu minimieren. Es sei dringend erforderlich, dass die internationale Gemeinschaft ein Unterstützungsprogramm schaffe, um ärmeren Ländern bei der Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen zu helfen. Er drängte die internationale Gemeinschaft, einen Rahmenvertrag zu schaffen, um Menschen zu helfen, die ihr Land aufgrund einer Naturkatastrophe verlassen müssten und die nicht die notwendigen Voraussetzungen erfüllten, um unter die Genfer Flüchtlingskonvention zu fallen.
"Diese Unterstützung ist aus humanitärer Sicht dringend notwendig. Aber sie liegt auch in unserem gemeinsamen Interesse," sagte Guterres. "Wenn der Klimawandel keine Beachtung findet und wir keine nachhaltigen Lösungen für die vertriebenen Menschen finden, werden wir die Voraussetzung für die Gefährdung des internationalen Friedens und die Sicherheit schaffen."
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