Humanitäre Krise im Jemen verschärft sich
50 Prozent mehr Boatpeople aus Afrika - Berichte über Kämpfe im Nordjemen
Sana'a/Genf, 29.9.2009 - Die Situation in der Provinz Sa'ada im Nordjemen bleibt unberechenbar. Über das Wochenende kehrte angespannte Ruhe in die Stadt Sa'ada, die mehr als sechs Wochen lang buchstäblich vom Rest der Welt abgeschnitten gewesen war. Bewohner und Binnenvertriebene sind eingeschlossen inmitten von Gefechten zwischen Regierungstruppen und Al Houti-Rebellen. „Ihre humanitäre Lage ist weiterhin entsetzlich. Sie können die umkämpfte Stadt nicht verlassen, um anderswo Sicherheit und Schutz zu suchen“, berichtet UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. Obwohl es noch immer keinen Zugang zur Stadt Sa'ada gibt, konnte das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR einige Hilfsgüter über eine lokale Nichtregierungsorganisation verteilen.
Unbestätigten Berichten zufolge kommt es in der Provinz Sa’ada weiterhin zu Kämpfen – auch gefährlich nahe an Siedlungen von Binnenvertriebenen (IDPs). Diese fliehen in die benachbarte Hajjah-Provinz, wo UNHCR mit Hochdruck an der Entlastung des Camps Al-Mazraq mit seinen über 7000 Bewohnerinnen und Bewohnern arbeitet. Dank guter Zusammenarbeit mit den Behörden konnte am Montag ein Standort für ein neues Camp gefunden werden, in der Provinz Amran beginnt der Aufbau für ein zweites IDP-Camp bereits heute, Dienstag.
Auch in der Grenznähe zu Saudi-Arabien haben Binnenvertriebene Zuflucht gefunden. Vergangenes Wochenende konnte UNHCR mit den saudischen Behörden einen grenz-überschreitenden Hilfseinsatz formell vereinbaren. Auch die Regierung des Jemen unterstützt die Soforthilfe für die Vertriebenen. UNHCR hat auf der saudischen Seite der Grenze bereits Zelte, Decken, Schlafmatten und andere Hilfsmaterialien für über 2000 Flüchtlinge bereitgestellt. Für die Hilfe auf der jemenitischen Seite hat Saudi-Arabien eine Million US-Dollar zugesagt, 1,2 Millionen Dollar kamen von der US-Regierung, 0,7 Millionen aus Schweden. Insgesamt benötigt UNHCR bis Jahresende noch weitere zwei Millionen US-Dollar für den Ausbau von Registrierung und Versorgung der Binnenvertriebenen mit Hilfsgütern, aber auch für die Koordination der Camps.
Zusätzlich zu den etwa 150.000 Menschen, die seit 2004 von Kämpfen im Jemen betroffen sind, hat das Land 150.000 Flüchtlinge und Asylsuchende aufgenommen, die den gefährlichen Seeweg über den Golf von Aden und das Rote Meer geschafft haben. Allein im Jahr 2009 kamen 994 Boote mit mehr als 50.400 Insassen vom Horn von Afrika. Das ist mehr als die Zahl der Boatpeople im gesamten Vorjahr (50.091), ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008. Nach Angaben von UNHCR-Mitarbeitern im Jemen ertranken dieses Jahr bisher 266 Menschen, weitere 153 gelten als vermisst. 2008 lag die schaurige Quote bei 589 Ertrunkenen und 359 Vermissten.
2009 waren mehr als die Hälfte der Ankömmlinge Äthiopier (27.633), gefolgt von Somaliern (22.791), die im Jemen automatisch als Flüchtlinge anerkannt werden. Hauptfluchtmotive sind Bürgerkrieg, politische Instabilität, Armut, Dürre und Hunger.
Rückfragen: Gabrielle Sabourin, sabourin@unhcr.org, T: (+43/1) 260 60-4048
Veröffentlicht am: 29.09.2009




