United Nations High Commissioner for Refugees

Staatenlose

© UNHCR/unhcr.at

Menschen ohne Staatsangehörigkeit

In der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" von 1948 heißt es:

„Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Staatsangehörigkeit."

Darunter versteht man einen gesetzlich geregelten Bund zwischen einer Person und einem Staat, wodurch für beide Seiten sowohl Rechte als auch Pflichten in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht entstehen - wie zum Beispiel das Wahlrecht oder die Wehrpflicht. Staatenlose Frauen, Männer und Kinder können jedoch kein Land offiziell als ihre Heimat bezeichnen. Dieser Umstand bewirkt, dass sich Staatenlose praktisch im "rechtsfreien Raum" befinden, denn sie werden durch nationale Gesetze nicht ausreichend geschützt. Im schlechtesten Fall haben Staatenlose nicht einmal Zugang zu Bildung oder zum Arbeitsmarkt. Sie dürfen nicht frei reisen und sind von der politischen Teilnahme, aber auch von grundlegenden Sozialleistungen eines Staates ausgeschlossen.

Mandat und Kampagne von UNHCR

Da sich die Probleme von Flüchtlingen und Staatenlosen oft überschneiden und eine speziell dafür eingerichtete Organisation nicht existierte, hat die UN-Generalversammlung UNHCR im Jahr 2003 ein spezielles Mandat für Staatenlose übertragen. UNHCR leistet seitdem rechtliche Hilfe und arbeitet mit Regierungen an der Vermeidung und Beendigung von Staatenlosigkeit. Die UN-Generalversammlung hat UNHCR im Speziellen auch damit beauftragt, den Beitritt der Staaten zu den beiden Übereinkommen aktiv zu fördern und die Umsetzung der Konventionen zu überwachen. Kurz vor dem 50. Jahrestag der Konvention zur Verminderung von Staatenlosigkeit hat UNHCR eine Kampagne gegen Staatenlosigkeit gestartet. Ziel ist es, das Problem von Staatenlosigkeit sichtbar zu machen, daran zu arbeiten, dass mehr Staaten den Konventionen beitreten und langfristig Millionen Staatenlosen eine Perspektive als vollwertige StaatsbürgerInnen zu geben.

Die Ursachen von Staatenlosigkeit

Dass ein Mensch staatenlos ist kann viele Ursachen haben. So kann bereits ein neugeborenes Kind staatenlos sein, da nicht alle Länder Kinder bei der Geburt automatisch registrieren. Kinder staatenloser Eltern beginnen ihr Leben ebenfalls als Staatenlose. Zusätzlich gibt es verschiedene Gründe, weshalb man eine vorhandene Staatsbürgerschaft verlieren kann: Staatsauflösungen, Gebietsabtretungen, "Treueverletzungen" gegenüber dem Staat, manchmal sogar Heirat bzw. Scheidung oder auch die willkürliche Entziehung der Staatsbürgerschaft. Theoretisch kann man auf seine Staatsbürgerschaft auch freiwillig verzichten.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden eine Reihe völkerrechtlicher Instrumente entwickelt, um das Problem der Staatenlosigkeit einzudämmen und die Situation der Betroffenen zu verbessern. Das „Übereinkommen über die Rechtsstellung der Staatenlosen von 1954" und das „Übereinkommen zur Verminderung der Staatenlosigkeit von 1961" zählen zu den wichtigsten Dokumenten. Österreich hat das Übereinkommen von 1961 im Jahr 1972 ratifiziert und jenes von 1954 im Jahr 2008. Die weltweite Zahl der staatenlosen Personen ist sehr hoch – grobe Schätzungen gehen von 10 Millionen Menschen aus. Mangels eines Feststellungsverfahrens gibt es aber keine exakte Statistik. In Österreich gibt es eine geschätzte Zahl von einigen tausend staatenlosen Frauen, Männern und Kindern – aber auch hier liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich höher.

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