Jemen: Mehr und mehr Menschen fliehen

Sanaa - Während die Kämpfe zwischen den Regierungstrupen und den Al-Houti-Milizen den fünften Monat andauern, fliehen nach wie vor tausende Zivilisten aus ihren Häusern im Nordjemen. Die Lage in der Provinz Saada bleibt angespannt und die neuankommenden Binnenvertriebenen berichten von Kämpfen in den Gebieten um Haydan, Beni Muath, Eel Ammar und Al Taleh. Insgesamt sind 175.000 Menschen seit 2004 von den Konflikten im Jemen betroffen.

Die Lage im Bezirk Razeh ist besonders ernst. Die Bevölkerung ist eingekeilt und elementare Dinge wie Strom und Trinkwasser sind Mangelware. Lebensmittelengpässe haben die Preise stark ansteigen lassen und inzwischen sind mehr und mehr Menschen nicht mehr in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Die anhaltenden massiven Menschenströme strapazieren die vorhandenen Unterkunfts- und Hilfsvorräte der benachbarten Provinzen Hajjah und Amran. Allein im letzten Monat hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen im Al-Mazrak-1-Camp im Regierungsbezirk Hajjah verdoppelt. Inzwischen leben rund 21.000 Menschen in dem Camp, das ursprünglich für 10.000 konzipiert wurde.

UNHCR schätzt das weitere 1.300 Familien, die momentan in 48 großen Zelten in vier Transitbereichen des Camps untergekommen sind, auf Familienzelte warten. Das Gedränge im Camp beeinflusst die Lieferungen humanitärer Soforthilfe, denn die Menschen müssen länger auf die Bereitstellung ihrer Zelte warten und auch der Einsatz von anderen Hilfsgütern und anderen Angeboten verzögert sich.

Um die Neuankömmlinge unterzubringen wurde das Al-Mazrak-1-Camp zum dritten Mal ausgeweitet und neu strukturiert. Rund 200 neue Zelte wurden in den letzten Tagen aufgestellt und auch die Verteilung der Hilfsgüter erfolgte umgehend.

Das Al-Mazrak-2-Camp, das von den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet wurde, öffnete am 25. November. Es ist für die Aufnahme von bis zu 1.000 Familien gedacht (maximal 7.000 Personen).

Gemäß einer Vereinbarung mit den jemenitischen Behörden in dieser Woche, haben UNHCR-Experten damit begonnen, ein drittes Camp in Al Mazrak zu planen, um die mehr Binnenvertriebene unterzubringen und versorgen zu können. Die angestrebte Aufnahmekapazität des neuen Camps soll bei 1.000 Familen liegen und es ist geplant, die ersten Binnenvertriebenen Anfang nächsten Monats umzusiedeln.

Gleichzeitg ist auch die Anzahl der Binnenvertriebenen, die bei der örtlichen Bevölkerung in Gastfamilien untergebracht sind, angestiegen. Nach Angaben von UNHCR vor Ort sind rund 48.000 Binnenvertriebene, inklusive der Menschen in den Camps, im Regierungsbezirk Hajjah registriert worden.

Unterdessen gehen die Kämpfe in der Provinz Amran, im Gebiet um Harf Sufyan, besonders um den Schwarzen Berg, weiter. Die Sicherheitslage ist in den Bezirken Khaiwan und Houth weiterhin besorgniserregend. Besonders aus Khaiwan wurden in der letzten Woche diverse Zwischenfälle berichtet. Gemeinsam mit anderen humanitären Organisationen hat UNHCR seinen Appell für eine Umsiedlung des Khaiwan-Camps wiederholt.

Die Binnenvertriebenen in den Gebieten um Amran udn Khamer sind täglich mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Angefangen bei der mangelhaften Gesundheits- und Bildungsversorgung, dem Mangel an angemessenen Unterbringugnsmöglichkeiten bis zu Kinderarbeit und den Akzeptanzproblemen in den Gastgemeinden. Zusätzlich zu den Schwierigkeiten ihre Existenz aufrecht zu erhalten, müssen einige Binnenvertriebene den Gastfamilien Miete zahlen.

Insgesamt sind 175.000 Menschen seit 2004 von den Konflikten im Jemen betroffen.


Veröffentlicht am: 14.12.2009